Bei der Präsentation der ersten Ausgabe von „zeozwei“, am 18. April 2008, hat Chefredakteur Manfred Kriener in seiner Rede einige konzeptionelle Überlegungen zur neuen Umweltzeitschrift vorgestellt. Wir dokumentieren seine Rede in Auszügen – ergänzt um einige aktuelle Punkte.
Unser neues Magazin „zeozwei“ soll eine wirklich politische Umwelt-Zeitschrift werden, die meinungsfreudig und analytisch ist und möglichst dicht dran an den harten aktuellen Themen. Wer heute eine solch‘ politische Umweltzeitschrift machen will, der muss nicht an den Fingernägeln kauen und sich die Themen mühsam zusammensuchen. Sie stellen sich ganz von alleine, sie sind schon da, sie warten ungeduldig. Energiekrise, Energiesicherheit und die neue Weltenergieordnung, der Klimawandel und die Antwort der Weltgemeinschaft darauf, Verkehr und Massenmobilität, Ressourcen und Versorgungskrisen – das sind die großen Themen, denen wir uns stellen müssen. Mit immer neuen journalistischen Fragestellungen und Ideen.
Wir wollen uns aber auch stärker international ausrichten. Armut, Bevölkerungsentwicklung, Hunger- und Wasserkrisen – also das, was wir sonst nur an den Jahres- und Gedenktagen mit mulmigen Gefühlen thematisieren, das soll ebenso regelmäßig seinen Platz haben in unserem Heft. Wie wichtig die internationale Ausrichtung ist, kann Ihnen ein einziges Beispiel erläutern. Wenn es den 27 Staaten der EU tatsächlich gelingen sollte, bis 2020 ihren Ausstoß an Klimakillern um die anvisierten 20 Prozent zu reduzieren, dann könnte diese Reduktion an Kohlendioxid dennoch in einem einzigen Jahr durch den Anstieg des CO2-Ausstoßes in Indien und China komplett zunichte gemacht werden. Das haben nicht wir uns ausgedacht, sondern darauf hat die Internationale Energie-Agentur gerade hingewiesen. 2020 wird China der größte CO2-Emittent weltweit sein, noch vor den USA, Indien der drittgrößte.
Natürlich gehören auch der Verbraucherschutz und die Natur zu unseren wichtigen Themenschwerpunkten – Sie können das in unserem ersten Heft unschwer erkennen. Und unser Magazin will die „Neue Wirtschaft“ zu einem Schwerpunkt machen. Darunter verstehen wir das grüne Wirtschaftswunder, das der Boom bei Sonne, Wind und anderen Erneuerbaren Energien ausgelöst hat.
Aber nicht die Themenauswahl, sondern die Tonlage eines solchen Umweltmagazins erscheint mir der schwierigste Part zu sein. Die Feindbilder sind nach 30 Jahren Umweltdebatte ohnehin ziemlich ausgelutscht. Und jede Tagesschau bietet im Abendprogramm eine reiche Auswahl an Apokalypsen und Bedrohungsszenarien. Wie schaffen wir es da, unsere Leserinnen und Leser nicht zu überfordern mit schlechten Nachrichten. Denn nicht nur die fossilen, auch unsere moralischen Ressourcen sind begrenzt, unsere Möglichkeiten uns zu empören und zu engagieren. Die guten Vorsätze sind da: Wir wollen unsere Leser nicht mit Katastrophismus bombardieren. Aber wir haben auch keine Angst vor schlechten Nachrichten. Vielleicht schaffen wir es ja, sie gelegentlich mit einem Schuss Humor und etwas Selbstironie zu präsentieren. Humor ist bisher allerdings nicht gerade die Stärke der Umweltszene.
Eine ganz andere Frage: Ist das gute alte Printmedium im Internet-Zeitalter überhaupt noch attraktiv? Wenn wir das nicht glauben würden, hätten wir die Zeitschrift nicht gemacht. Das Internet, das sollten wir nicht vergessen, bietet uns auch Chancen, um eine Zeitschrift bekannt zu machen. Zum Beispiel über diese Homepage. Sie erleichtert die journalistische Arbeit, sorgt für bessere Vernetzung und schafft schnellen Zugang zu vielen Quellen, die sonst verschlossen blieben.
Letztlich sind dies aber alles theoretische Überlegungen. „Entscheidend ist auf dem Platz“ (Otto Rehhagel). Für uns gilt: Entscheidend ist auf dem Blatt. Der Erfolg dieser Zeitschrift wird davon abhängen, wie wir unsere Ideen konkret umsetzen und ob sich unsere kleine flinke Zeitschrift weiter entwickelt. Zeitschriften brauchen Zeit, zum Wachsen, zum Umsetzen von Kritik und Anregungen, zum Aufbau einer Leserschaft, zum Bekanntwerden. Geben Sie uns ein bisschen Zeit!
Auf Ihre Reaktion, Ihre Kritik, Ihre Wünsche, Ihre Anregungen und Ihre Vorschläge freuen wir uns
Herzlichen Dank!

