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Jahre 1999 stand der Ölpreis bei rund zehn Dollar je Barrel. Mitte März 2008 hat er erstmals die 110 Dollar-Marke genommen. Ein Ende des Anstiegs ist nicht in Sicht. Seit Beginn der Preisexplosion beim Öl haben wir dafür ständig wechselnde, aber bei genauerem Hinsehen doch immer dieselben Erklärungen gehört: politische Spannungen und Kriege, Streiks und Hurrikane und natürlich die Spekulation und Flucht der Anleger in die Rohstoffe. Das Karussell der Erklärungen dreht sich nun schon mehr als acht Jahre. Prominente Ökonominnen erklären uns derweil, dass Öl eigentlich viel billiger sein müsste. Sie kennen anscheinend den »wahren« Ölpreis. Deswegen prognostizieren die Banken und ihre Analysten für die nahe Zukunft auch immer wieder – und immer wieder vergeblich – einen fallenden Kurs.
Das alles hat sich schon ein wenig abgenutzt. Deshalb tauchen neuerdings zusätzliche Erklärungsmuster auf. Etwa: Die Ölindustrie habe in der Vergangenheit zu wenig in zusätzliche Förderkapazitäten investiert. Angesichts der steigenden Nachfrage aus China und Indien gäbe es jetzt temporäre Knappheiten auf den Märkten.
So werden denn alle möglichen und unmöglichen Erklärungen für den galoppierenden Anstieg der Ölpreise diskutiert – bis auf eine, die tunlichst vermeiden wird: die zunehmende Verknappung einer endlichen Ressource. Zwar ist jeder grundsätzlich davon überzeugt, dass Erdöl endlich ist. Gleichzeitig jedoch sind sich die meisten Menschen ebenso sicher, dass diese eher theoretische Endlichkeit mit ihrem eigenen praktischen Leben nichts zu tun hat. Es gleicht fast der Verletzung eines Tabus, wenn aktuelle Probleme bei der Ölversorgung mit der Endlichkeit in Zusammenhang gebracht werden. Jede Erklärung ist zulässig – aber bitte ja nicht die Erschöpfung einer Ressource, nach der ein ganzes Zeitalter benannt wurde. Wer auf diese Problematik hinweist, wird schnell der Hysterie verdächtigt.
Wie kommt das? Die Öffentlichkeit schaut auf Preise und die berichteten Reserven. Die Reserven-Angaben werden für bare Münze genommen, selbst wenn sie aus Ländern kommen, die, wie der Iran oder Saudi-Arabien, wenig glaubwürdig erscheinen. Dabei würde eine nähere Beschäftigung mit diesen Zahlen zeigen, wie zweifelhaft sie sind und wie wenig sie über die künftigen Produktionsmöglichkeiten tatsächlich aussagen. Daten, die deutlich seriöser und aufschlussreicher sind, werden einfach nicht wahrgenommen. Konkret: die Zahlen zur Entwicklung der Ölförderung – im regionalen und weltweiten Maßstab.
Wo sind die Zeitungsartikel, die den deutlichen Rückgang der Ölförderung in der britischen und norwegischen Nordsee seit dem Jahr 2000 nachzeichnen? Vielleicht wäre das ja eine Erklärung für den Anstieg der Ölpreise. Wo sind die Berichte, die beschreiben, dass es den großen westlichen Ölkonzernen in den letzten zehn Jahren trotz steigender Ölpreise nicht gelungen ist, ihre Förderung in der Summe auszuweiten? Wo sind die Artikel, die berichten, dass die weltweite Ölförderung seit dem Jahr 2005 stagniert und langsam zurückgeht?
Was wir derzeit erleben, ist ein epochaler Strukturbruch, nämlich das Erreichen des weltweiten Maximums der Ölförderung: Peak Oil! Die Vergangenheit war gekennzeichnet durch ein ständig steigendes Ölangebot. In Zukunft wird dieses Ölangebot kontinuierlich abnehmen. Damit ist klar, dass die Zeit des billigen Öls endgültig vorbei ist.
Dieses Verständnis öffnet den Blick, um auch die Chancen zu sehen, die sich mit der durch Peak Oil erzwungenen Umstellung unserer Energieversorgung bietet. Hohe Ölpreise – und das gilt auch für die anderen fossilen Energieträger – sind nicht das Problem, sie sind vielmehr die Voraussetzung für die Schaffung einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Energieversorgung.
Der Energie- und Verkehrsexperte Jörg Schindler ist Geschäftsführer der Ludwig-Bölkow Systemtechnik in Ottobrunn.
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