Hey Transrapid! Wir haben Dir schon hundertmal gesagt, Du sollst die Leute nicht immer so erschrecken mit Deinen ewigen Kostenexplosionen. Ständig diese Entgleisungen. Jetzt guck’ Dir den Beckstein an: rapidis infectiosis, Endstadium. Der Junge ist fertig, grün im Gesicht. Du hast ihn voll an der Nase rumgeführt, hast dich als glitzernde Wunschmaschine rausgeputzt, bist auf Stelzenbeinen durch die Staatskanzlei gestöckelt und hast ihm eingeredet, er könnte als Retter deutscher Ingenieurskunst Verkehrsgeschichte schreiben. Und dann bist Du plötzlich mit der Wahrheit rausgerückt: statt 1,8 einfach vier Milliarden Euro. Es darf gern noch etwas mehr sein. Unverschämt, das! Schäm Dich Transi!
Aber wir kennen das von Dir. Wo Du auftauchst, machst Du Ärger, setzt den Leuten Flausen ins Hirn. In 59 Minuten wolltest Du in den 90er Jahren auf der Referenzstrecke Berlin – Hamburg hin und her schweben. 40.000 Personen täglich im Sauseschritt, 18.000 neue Arbeitsplätze. Deine ewigen Versprechungen. Als der Bundesrechnungshof die Kalkulationen gesehen hat, sind die weinend unter den Schreibtisch gekrochen. Für Deine Anbindung ans Berliner Stadtgebiet haben sie eine Vervierzigfachung der Kosten ermittelt. Nicht schön von Dir, altes Luxusluder!
Du mit Deinem aufgeständerten Fahrweg. Betonstelzen quer durchs Stadtgebiet! Das sieht aus, als würde man im Vatikan eine Achterbahn bauen. Der ICE fährt doch auch ganz normal am Boden und ist inzwischen genauso schnell wie Du. Woher hast Du das nur? Dein Papa war der Hermann Kemper. Reichspatent 1934, »Schwebebahn mit räderlosen Fahrzeugen mittels magnetischer Felder.« Der wollte Dich durch große Tunnel führen mit 2.000 Sachen. Der Leber Schorsch, Dein politischer Ziehvater, hat dann in den 60ern die berühmte »Geschwindigkeitslücke« zwischen Auto und Flugzeug entdeckt und träumte feucht von Dir. Die schnelle Kaffeefahrt von der Alster mal eben an den Stachus. Huiii, bei Leber war es echte Liebe.
Aber Du hast alle enttäuscht, Transi. Quer durchs Ruhrgebiet wollten sie Dich gleiten lassen, dann Frankfurt – Hahn, Berlin – Hamburg, München – Erding, Shanghai – Hangzhou. Um jeden Preis aufs Gleis. Du warst immer zickig, hinterhältig, sündteuer. Konntest nie genug kriegen. Langsam reicht’s auch dem Chinesen. Quer durch die Mongolei, das wär vielleicht was für Dich. Von Ulan Bator nach Moskau. Wenn das auch wieder nicht klappt, weil Du in der Steppe die Wildpferde meuchelst, dann ist endgültig Schluss. Wir haben Dir jedenfalls schon mal einen Platz reserviert: im Technik-Museum. Wenn Du reinkommst gleich links, neben Concorde und Schnellem Brüter.
Also: reiß Dich zusammen!
Dein alter Kumpel Manni
