Dem Hering geht es schlecht. Erstmals seit vielen Jahren ist der Bestand an erwachsenen Nordseefischen der Gattung Clupea unter die Marke von einer Million Tonnen gefallen. Damit hat sie sich gegenüber dem Höchststand von fast 1,8 Millionen Tonnen im Jahr 2004 fast halbiert. Hauptursache ist der Einbruch beim Nachwuchs. Trotz eines zunächst ausreichenden Elternbestandes und entsprechend reicher Laichablage ist die Zahl der Jungfische seit 2001 alarmierend klein geblieben. Noch gibt es nur Vermutungen, warum der Heringsnachwuchs nicht hochkommt. Womöglich, so Christopher Zimmermann vom Rostocker Institut für Seefischerei, gibt es für die aus den Eiern schlüpfenden Heringslarven ein Nahrungsproblem – »vielleicht eine Folge klimatischer Veränderungen«. Wegen des siebten schwachen Jungfischjahrgangs hintereinander ist der Gesamtbestand der Silberlinge heftig auf Abwärtskurs. Die nur halbherzige Senkung der Fangmengen hat nicht ausgereicht, um den Mangel an Jungfischen zu kompensieren. Jetzt stehen weitere harte Einschnitte bei den Fangquoten an. Jahrelang galt der Hering als Vorzeigefisch mit vorbildlichem Ressourcen-Management. Wegen der robusten Population konnte er, so die Empfehlung vieler Verbraucherorganisationen, »mit gutem Gewissen« gegessen werden. »Leider mussten wir jetzt erkennen, dass das viel gelobte Management im Ernstfall doch nicht funktioniert«, sagt Zimmermann. Vor allem die holländische Fischindustrie hatte sich gegen eine weitergehende Reduzierung der Fangquoten gewehrt. Schon in den 70er Jahren musste beim Nordsee-Hering die Reißleine gezogen und ein vierjähriger Fangstopp erlassen werden.
