Der Bericht lässt keine Zweifel, dass gerade die Landwirtschaft eine Schlüsselrolle für Erhalt und Niedergang des biologischen Reichtums auf der Erde hat. Trotz der Gefahren des Klimawandels bleibe »der Bereich Ernährung und Landwirtschaft aller Voraussicht nach mindestens bis 2050 die Hauptursache des Verlusts an biologischer Vielfalt «, so die Einschätzung des GBO.
Zum Sündenregister der Landwirtschaft zählt der UN-Bericht vor allem das »Vordringen in besonders wertvolle Lebensräume«. Der Münchner Evolutionsbiologe Josef Reichholf (*)wird konkreter: »Vor allem in Südamerika werden Flächen kaum vorstellbaren Ausmaßes gerodet und in ein zumeist wenig ertragreiches Nutzland umgewandelt.« Der Wald werde in erster Linie für die Anlage riesiger Weideflächen für Rinder vernichtet, aber auch für den Anbau von Soja und Palmöl. Beim Sojaanbau zieht Reichholf eine direkte Verbindungslinie zur Massentierhaltung der Industrienationen. Unsere Viehbestände seien auf den Import großer Mengen an Sojaschrot angewiesen. »Die massive Ausweitung des Anbaus von Soja in den Tropen ernährt somit unser Stallvieh, dieses ›frisst‹ damit nahezu buchstäblich Tropenwälder und tropische Biodiversität.«
Zweiter großer Sündenfall der Landwirtschaft ist die Überdüngung. Der Mensch führe den Ökosystemen »mehr Stickstoff zu als alle natürlichen Prozesse zusammen«, bilanziert der Global Outlook. Es sind aber nicht nur Gülle- und Mineraldüngerfrachten, die der Natur zusetzen. Die Düngung aus der Luft über Auspuffrohre und Kraftwerkschlote in Form von Stickoxid erhöht den Eintrag und sorgt für ein Übermaß an Nährstoffen. In den Roten Listen gefährdeter Arten, schreibt der Biologe Reichholf, würden insbesondere solche Spezies auftauchen, die nährstoffarme, magere Biotope zum Überleben brauchen. Sein Fazit in Zahlen: Auf die direkten und indirekten Folgen der Landwirtschaft würden zwischen 70 und 95 Prozent der Artenrückgänge entfallen. »Landwirtschaft ist damit bei weitem der bedeutendste Verursacher von Biodiversitätsverlust und Artenschwund. Ihr gegenüber fallen Industrie, Siedlungstätigkeit und Verkehr fast bedeutungslos gering aus.« Den Beweis dafür sieht Reichholf auch im Artenreichtum der weitgehend landwirtschaftsfreien Städte.

