Die Presse ist da, die Polit-Prominenz ist angekündigt und die Windmüller haben Sekt kalt gestellt: Ende Juni sollte Berlins erstes Windrad in Betrieb gehen. Doch statt sofort Strom zu produzieren, will die Umweltplan Projekt GmbH aus Frankfurt-Oder das 180 Meter hohe, 3,4 Millionen Euro teure Windkraftwerk erst 2009 ans Netz anschließen. Dann steht die Anlage zwar ein halbes Jahr rum. Danach bekommt der Betreiber aber mehr Geld für den Öko-Strom. Die Politiker sind sauer. Umweltminister Siegmar Gabriel (SPD) sagt die Eröffnung ab. Auch Berlins Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) lässt den Termin kurzfristig platzen. Dabei hatte sich gerade ihre Behörde für das Windrad und gegen die Bedenken der Naturschützer stark gemacht, die hier ein Rotmilan-Päärchen bedroht glauben. Nun sieht sie sich düpiert.
Doch den Ausfall beim Ökostrom hat die Politik sich selber eingebrockt. Ein Grund, warum auch das ARD-Magazin “Plusminus” unsere Meldung aufgegriffen hat.
Durch eine Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) können Windmüller mehr verdienen, wenn sie ihre Anlage erst 2009 ans Netz bringen: Sie erhalten dann für die nächsten 20 Jahre 9,2 statt die in 2008 noch angebotenen 8 Cent je Kilowattstunde Windstrom. Umweltminister Gabriel hat es versäumt, in der Novelle des EEG eine Übergangsregelung für schon im Bau befindliche Anlagen zu schaffen.
»Über die Betriebsdauer von 20 Jahren macht das für uns rund eine Million Euro aus«, rechtfertigt sich Windrad-Betreiber Frank Vach für die Verschiebung. Und nicht nur ihm geht es so. Experten schätzen, dass durch die EEG Novelle die Hälfte aller 600 Anlagen, die im zweiten Halbjahr 2008 fertig gestellt wurden, verspätet Strom produzieren. Die 300 Anlagen kommen zusammen auf eine installierte Leistung von etwa 600 Megawatt – das entspricht einem halben Atomkraftwerk.
Nun stehen überall in Deutschland die neu gebauten Windriesen still und für dieses Jahr ist ihr umweltfreundlicher Strom verloren. Nur in Berlin gibt es noch ein Happy End: Frank Vach hat inzwischen ausgerechnet, dass die Terminverschiebung ihm hohe zusätzliche Kosten bei der Bankfinanzierung und Monteursstunden bringt. Auch fürchtet er Klagen von Verbraucherschutzverbänden wegen des Missbrauchs von Fördermitteln. Darum hat er die Anlage doch noch ans Netz gebracht. Mit rund einem Monat Verspätung.


