www.zeozwei.de - Magazin für Umwelt, Politik und Neue Wirtschaft 5. February 2012

von Martin Kaluza

Es ist ein kapitaler Brocken. Fast 3.000 Seiten umfasst das Handbuch Wirtschaftsethik, die sechs Bände ergeben einen hübschen Turm auf dem Schreibtisch. Und das Thema hat Konjunktur. Angesichts von Bankenkrisen und Entlassungen, von Korruptions- und Bespitzelungsskandalen wächst der Druck auf Unternehmen und Politik, den Kräften des freien Marktes Grenzen zu ziehen. Letztlich müssen sich nicht nur Unternehmen für ihr Handeln rechtfertigen, sondern der Kapitalismus als solcher steht in der Krise zur Debatte.

Die erklärte Grundthese des Nachschlagewerks ist, dass der Markt sich als Verteilungsinstrument bewährt hat, jedoch Regeln erfordert, die seinen Missbrauch verhindern. Im Kern der Wirtschaftsethik steht somit die Frage, welche Regeln richtig und wichtig sind.

Die ersten drei Bände befassen sich ausführlich mit einer sehr akademisch gehaltenen Analyse der Grundfragen einer Wirtschaftsethik und der Ethik wirtschaftlicher Ordnung – letzteres ist vor allem ein institutionenökonomischer Aufriss. In den anderen drei Bänden wird es konkreter: Sie bieten einen Überblick über wirtschaftsethische Fragen etwa in Unternehmen und Interessenverbänden. Den Abschluss bildet ein Abriss konkreter Problemfelder von Arbeit über Schattenwirtschaft bis Wirtschaftskriminalität. Insgesamt sind zwar fast alle wichtigen Themen der Wirtschaftsethik vertreten. Gerade dem Teil mit konkreten Problemfeldern täten jedoch ein paar konkrete Beispiele gut. So ganz ohne Fallstudien kommt das ganze sehr abstrakt daher.

Außerdem merkt man dem Handbuch an, dass es die Neuausgabe eines Nachschlagewerks ist, das erstmals 1999 erschien. An einigen Punkten ist es nicht auf der Höhe der Zeit. CSR zum Beispiel – Corporate Social Responsibility – ist nicht einmal im Stichwortverzeichnis erwähnt. Dabei steht das Thema heute auf der Agenda praktisch aller größeren Unternehmen, vor allem der börsennotierten. Der Begriff steht für den freiwilligen Beitrag der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung, der über die rein rechtlichen Anforderungen hinausgeht. Welche Bedeutung Unternehmen dem Thema beimessen, lässt sich an der steigenden Zahl von Nachhaltigkeits- und CSR-Berichten ablesen. Auf der einen Seite fordern Akkreditierungsgesellschaften solchen Berichte, auf der anderen wächst auch das Interesse der Öffentlichkeit.

Auch das Thema Greenwashing fehlt in dem Nachschlagewerk, also die Politik einiger Unternehmen, sich werbewirksam, aber oft zu unrecht als Wohltäter darzustellen. Fragen der Glaubwürdigkeit des sozialen oder ökologischen Engagements von Unternehmen bleiben damit völlig ausgeblendet, obwohl sie in der öffentlichen Debatte eine wichtige Rolle spielen. Vielleicht würde sich doch einmal eine überarbeitete Neuauflage anbieten.

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Wirtschaftsethik. Ein Handbuch

Wilhelm Korff et al (Hg.), Neuausgabe, sechs Bände, 2.924 Seiten, € 120,-.

Alle Bände auch einzeln lieferbar 

ISBN 978-3-940432-58-2

Berlin University Press (2009)

Rezension: Martin Kaluza

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