Die mehr als 10.000 Teilnehmer der „Konferenz für eine nuklearfreie Welt“ verabschiedeten eine Deklaration und verlangten von der japanischen Regierung und dem Atombetreiber Tepco die “volle Transparanz” bei der Aufarbeitung und Analyse der Atomkatastrophe. Die Opfer der Katastrophe, vor allem die evakuierten Bewohner der Region, müssten sehr viel stärker unterstützt werden. Sie hätten ein Recht auf gesundheitlichen Schutz und Betreuung, auf eine angemessene Kompensation und auf Lebensumstände, die ihnen den gleichen Lebensstandard garantierten wie zuvor.
Die Deklaration verlangt weiter von der japanischen Regierung, dass sie die radioaktive Überwachung von Nahrungsmitteln und Tierfutter, von Boden, Wasser und Luft garantiere und so gewährleiste, dass die Strahlenbelastung der Bevölkerung auf ein unvermeidbares Minimum reduziert werde. Bürgermeister Katsutaka Idogawa aus Futaba, einer Stadt in der Präfektur Fukushima, kritisierte, dass in seiner Kommune, trotz aller Proteste, keine ausreichende radioaktive Überwachung gewährleistet sei. Die Bürgermeister verschiedener Städte hatten sich innerhalb der Konferenz auf einer eigenen Sitzung getroffen.
Die Teilnehmer der Konferenz forderten eine road map für den Atomausstieg in Japan – von der Stilllegung der Uranminen bis zur Abschaltung aller Reaktoren. Alle jetzt stillliegenden mehr als 40 Reaktoren des Landes sollten dauerhaft abgeschaltet bleiben „Der Sicherheitsmythos ist zerstört, die Atomenergie war nie eine sichere Technologie, und sie hätte ohne massive öffentliche Subventionen auch nie überlebt“, heißt es in der Deklaration, und: “Die Erneuerbaren Energien haben sich bewährt und sind einsatzbereit für eine zukunftsfähige, dezentrale Energieversorgung.“ Japan solle außerdem keinerlei Atomtechnologie mehr in andere Länder exportieren.
Katsunobu Sakurai, Bürgermeister in Minamisoma, einer weiteren Stadt in der Präfektur Fukushima, machte sich ebenfalls für den Ausstieg stark. “Ich bin hierher gekommen, um mich für das Abschalten der Reaktoren einzusetzen, weil sich diese Art von Atomkrise nie mehr wiederholen darf”, sagte Sakurai. Redner aus Europa, den USA und aus anderen asiatischen Ländern verlangten, jetzt den Druck auf die japanische Regierung zu erhöhen. Tatsächlich ist das anti-nukleare Bündnis in Japan in den letzten Wochen und Monaten deutlich gewachsen. Seit Ende des Jahres haben sich weitere NGOs, aber auch Gewerkschaften und Landwirtschaftsverbände der Anti-AKW-Bewegung angeschlossen.
Von deutscher Seite waren Mitglieder der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg angereist. “Die japanische Bewegung wirkt sehr motiviert. Aber sie steckt noch in den Kinderschuhen”, sagte die Vorsitzende Kerstin Rudek der taz. Allerdings entwickle sie sich schneller wegen der direkten Erfahrung mit einem Super-GAU. Nach letzten Umfragen lehnen derzeit 68 Prozent der Japaner die Atomkraft ab.
Atom-Konferenz in Japan
Atomgegner, Politiker und Wissenschaftler aus mehr als 30 Ländern haben sich Mitte Januar im japanischen Yokohama zur großen Nach-Fukushima-Atomkonferenz getroffen. Der Druck auf die japanische Regierung wächst.
