Wie ein weißer Wal schiebt sich der Millionen-teure Toyota durch die angesagten Einkaufsstraßen des Prenzlauer Bergs. Im Cockpit, wo bei anderen Autos das Navigationssystem sitzt, blinken und blitzen grüne und gelbe Dioden: Batterie an, Brennstoffzelle an, Rückgewinnung der Bremsenergie aus. Vorne unter der Motorhaube surrt – nein, höchstens schnurrt – ein mächtiger Elektromotor und eine noch mächtigere Brennstoffzelle. Sie schieben das 2-Tonnen-schwere Riesenauto mit 122 PS in die Parklücke zwischen den anderen Geländewagen vor dem Biosupermarkt. Und keiner guckt sich um.
Dabei waren sie noch vor wenigen Jahren die Stars der Autobranche: Fahrzeuge mit Brennstoffzellen. Unter der Motorhaube sollte Wasserstoff in Strom umgewandelt werden, der Elektromotor den Verbrenner ersetzen. „Wasser ist die Kohle der Zukunft“, zitierten Blätter wie „Die Zeit“ 1998 den großen Jules Verne und sagten den Brennstoffzellen einen sagenhaften Boom voraus. Investierten nicht auch Daimler und die japanischen Branchengrößen Milliarden in die Technik? Und beteiligten sich an Firmen wie Ballard Systems? Diese Helden der Jahrtausendwende sind längst gefallen, an der Börse kosten sie nur noch ein Hundertstel ihrer Spitzenwerte. Mit Ford hat sich eine der weltgrößten Autofirmen auch offiziell vom Wasserstoff verabschiedet: Denn der Umgang mit dem explosiven Wasserstoff gilt als schwierig. Die Motoren sind längst nicht serienreif. Auch für die Umwelt bringt der Wasserstoffantrieb nichts, wenn die Spaltung von Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff, die so genannte Elektrolyse, nicht klimaneutral mit erneuerbaren Energien betrieben wird. Warum, fragen heute nicht nur die Propheten der Elektroautos, sollte man diesen Strom dann nicht in Batterien speichern und direkt einsetzen?
Toyota glaubt weiter dran. Und arbeitet an eine Alternative zum Elektroauto. Der Geländewagen mit dem unhandlichen Kürzel FCHV-adv (steht für weiterentwickeltes Brennstoffzellen-Fahrzeug) ist schon das achte Versuchsfahrzeug mit Wasserstoff-Antrieb des größten Autoherstellers der Welt. „Nichts ist unmöglich“, wirbt Toyota gerne. Und das 2010er Modell der Wasserstoffflotte zeigt, dass es zumindest in der kurzen Testfahrt in der Stadt schon ganz schön alltagstauglich ist. Ob wir so ein Auto auch mal beim Toyotahändler um die Ecke sehen werden? Das ist eine ganz andere Frage. Die Infragstruktur fehlt, noch experimentieren Ölmultis wie die französische Total nur mit einzelnen Tankstellen für flüssigen Wasserstoff. Technisch ist das durchaus eindrucksvoll, in Berlin arbeitet seit Mai 2010 eine Station, in der Total die Elektrolyse (Aufspaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff mit Strom) gleich hinter der Tankstelle betreibt. Aber das bleiben Unicate. Und auch bei den Kosten sind die Autohersteller noch lange nicht da, wo Otto-Normalverbraucher sie sehen möchte. Unser Testfahrzeug hat immer noch einen Millionen-Wert. Dafür fährt er sich gut. Das sehen Sie im Video.
