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www.zeozwei.de - Magazin für Umwelt, Politik und Neue Wirtschaft 9. September 2010

Enercon holt sich den Titel

von Marcus Franken

In Rheinland-Pfalz entsteht zur Zeit die leistungsstärkste onshore Windmühle der Welt. Die Firma Juwi aus Wörrstadt errichtet das Riesenwindrad auf einem Hügel, dem Schneebergerhof im Donnersbergkreis: Mit 135 Metern Turmhöhe (22 Meter fehlen bis zu den Spitzen des Kölner Doms) und einem Durchmesser der Rotorblätter von 126 Metern (je nach Spielfeld: Etwa zweieinhalb Fußballfelder lang) erreicht die Mühle zwar “nur” die Abmessungen eines guten Dutzend anderer Anlagen des Herstellers Enercon aus Aurich in Niedersachsen. Die Ingenieure von Enercon haben die Leistung dieser Maschine aber noch einmal von sechs auf 7,5 Megawatt “getunt”. Solche Kraftpakete galten vor wenigen Jahren als Science Fiction. Dieses einzelne Windrad ist in der Lage, den Stromverbrauch von mehr als 5000 Haushalten zu decken. Die Betreiber erwarten eine Stromproduktion von 18 Millionen Kilowattstunden pro Jahr; die einzelne Mega-Anlage erzeugt damit mehr Energie als die vier Windräder, die schon auf der Kuppe im Donnersbergkreis stehen.

Damit muss der eigenwillige Chef des größten deutschen Windanlagenbauers Enercon seine Vision von der Versorgung Deutschlands mit Windstrom nach oben korrigieren. Bernhard Aloys Wobben treibt seit Jahren die Idee von der vollständigen Versorgung Deutschlands mit Strom aus erneuerbaren Energien um. Dafür bricht er regelmässig die bestehenden Weltrekorde der leistungsfähigsten Anlagen (die meist von ihm kommen). Und lässt seine Mitarbeiter auch an Themen wie Batteriespeichern, Schwungrädern und Druckluftspeichern forschen, die im Grunde weit entfernt von den Kernkompetenzen des Unternehmens liegen. Selbst einen Hochsee-Frachter, der zusätzlich mit der Kraft des Windes angetrieben wird, hat Wobben bauen lassen und testet ihn jetzt auf den Meeren der Welt.  Aus der Offshore-Windenergie hat er sich dagegen zurück gezogen. Weil seine Windräder konstruktionsbedingt zu schwer seien – lästern die einen. Weil Offshore zu riskant und zu teuer sei, hält Wobben gerne mti Pathos dagegen. Und treibt die Windkraft an Land voran. Unzweifelhafter Vorteil: Der Strom vom festen Grund kostet die Verbraucher nicht mal die Hälfte dessen, was die Stromkonzerne Offshore an Vergütung bekommen.

Jedes Dorf, so die Wobben-Vision, solle seine Stromversorgung irgendwann mit einer einzigen großen Windmühle realisieren. Gerne aus seinem Hause. Seine Ingenieure testeten die damals größte Windanlage der Welt mit fünf Megawatt. Der Nachfolger dieser Baureihe E-126 kommt jetzt schon auf 7,5 Megawatt und ist damit 136 mal so leistungsfähig wie Wobbens erste Eigenproduktion, eine E-16, die er 1985 im Garten seines Hauses in Aurich aufgebaut hat.  Juwi will den Nach-Nach-Nachfolger bis Ende diesen Jahres ans Netz anschließen.

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